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Reisenotizen

Giuseppe Gajarin, Referent von zwei italienischen Förderkreisen, erzählt uns von seiner Begegnung mit dem Förderkreis auf den Kapverdischen Inseln

"Bei der Cheese 2006 lernte ich Giuseppe Quaranta, Professor der Universität Turin, kennen, der den Förderkreis Ziegenkäse vom Planalto di Bolona (Kap Verde) betreut. Er fragte mich, ob ich meine fachlichen Kenntnisse, vor allem zur Verwendung von Starterkulturen, zur Verfügung stellen könnte. Kap Verde regte meine Fantasie an und ich spürte ein Prickeln, ein Gären. Ich blätterte Broschüren durch, schaute Fotos an, hörte Berichte von Freunden, aber das alles war weit entfernt von dem, was ich dann tatsächlich sah. Vom 3. bis 10. März 2008 hatte ich die Chance, diesen Förderkreis, diese Inselgruppe, die Menschen hautnah kennen zu lernen...

Kap Verde macht uns sofort klar, dass wir mindestens dort das Leben anders nehmen müssen: Bei jeder beliebigen Handlung muss man sich die notwendige Zeit nehmen, zum sie zu verstehen, um sie ohne andere Ablenkungen zu tun. Bei der Erbringung einer Arbeit, bei der Begegnung mit einem Menschen, wenn man die schlichte, natürliche lokale Küche probiert.
Auch die Annäherung an die Erzeuger auf der Insel Sant\'Antão ist ein nicht einfacher Weg: von 0 auf 1.500 Meter über dem Meeresspiegel auf einer 27 km langen ungepflasterten Straße. Als wollte man sagen: “Wenn du dieses Produkt verstehen willst, musst du einen langen, schwierigen Weg vollziehen, um Hektik und Gedanken hinter dir zu lassen”. Nach dieser kurvenreichen Fahrt kommt man auf dem Planalto di Bolona an, einer wunderschönen, dürren, harten Hochebene, auf der rund 1.700 Ziegen leben (vor zwei Jahren waren es fast 8.000, aber die Trockenheit hat sie dezimiert). Sie fressen stehendes Heu (d.h. das trockene Gras vom Vorjahr!) und werden nur am Morgen von ca. 60 Züchtern gemolken, die einen Teil der Milch für die Aufzucht der Zicklein verwenden, Käse für den Eigenverbrauch herstellen und einen Teil an die Käsereigenossenschaft liefern, die sich bemüht, ihnen ein Minimum an Einkommen zu garantieren. Es ist eine essentielle Käserei, die sehr auf die Umwelt achtet: Strom wird mit Sonnenkollektoren erzeugt, Wasser wird äußerst sparsam verwendet (auch das Wasser, das man zum Händewaschen benutzt hat, wird aufgefangen und wieder verwendet!). Der Käser ist ein 27-Jähriger, der für seine Arbeit zweimal am Tag einen Fußmarsch von eineinhalb Stunden absolviert. Er erfüllt seine Arbeit mit Aufmerksamkeit, Stolz und Hingabe. Wir tauschen uns über die Verarbeitungstechniken und die Arbeitsorganisation aus. Wie alle Käser blickt er skeptisch und etwas misstrauisch auf mich. Aber beide lernen wir etwas vom anderen.
Mich hat das Glücksgefühl und der Stolz bei ihrer Teilnahme am zweiten Wettbewerb von San Lucio für den Ziegenkäse aus Bolona erstaunt, gewundert und überrascht. Die Züchter erschienen in festlicher Tracht. Auch ihrer Gesichter waren verändert: Die Spuren der Mühe, der harten Arbeit waren nicht mehr zu sehen. Sie waren entspannt, sie strahlten. In langen Fußmärschen oder Fahrten auf der Pritsche der Pickups brachten über 60 Erzeuger in bestickte Leintücher oder Spitzen gehüllt die Käse, die sie sie mit Passion und Mühe erzeugt hatten. Es war ein wunderschöner Festtag mit der Auszeichnung des schönsten Ziegenbocks und der besten Käse.
Diese Erfahrung hat mich zum Nachdenken gebracht und mich auch zum Teil verändert. Ich bin für zwei Käse-Förderkreise in Südtirol verantwortlich… tja, was für ein bequemes Leben haben doch unsere Züchter und Käser! Nach so vielen Jahren habe ich noch besser verstanden, was DER FÖRDERKREIS bedeutet. Gut. Sauber. Fair. Er hat noch viel zu lernen, dieser Förderkreis Ziegenkäse aus Bolona, aber wir hier ganz sicher noch mehr.
Ich danke den Reisegefährten von ONAF, Beppe Quaranta von der Universität Turin und Slow Food, dass sie mir diese Erfahrung ermöglicht haben."

Giuseppe Gajarin
gaiarin.giampaolo@trentingrana.it

 
 
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